Der Mensch des technischen Zeitalters
ist an die Zeit gebunden wie nie zuvor:
Durch Fahrpläne, Zugpläne, Termine und Besprechungen
ist er an die Zeit gefesselt.
In der modernen Industriegesellschaft ist die Uhr -
also die Zeit - notwendige Voraussetzung
der Koordination von Menschen in Arbeits- und Freizeit.

Aber die subjektive Zeitwelt, die jeder Mensch in sich trägt,
diese 'biologische Uhr', stimmt nicht immer
mit der technisch gemessenen Uhrzeit überein.
In der subjektiven Zeitwelt ist eine Stunde
zwischen zehn und elf Uhr vormittags
und zwischen zwei und drei Uhr nachts
etwas ganz anderes.
So, wie eine Viertelstunde beim Zahnarzt
zur Ewigkeit werden kann,
während fünfzehn Minuten mit dem geliebten Partner
viel zu schnell vergehen.

Erfahrungen mit Schichtarbeit,
und vor allem mit Flugreisen über Zeitzonen, machen deutlich,
dass der Mensch sich nicht einfach nach der Uhr reguliert,
sondern in seiner eigenen biologischen Zeitwelt lebt.
Auch andere Kulturen haben andere Zeitwelten:
eine Stunde warten im Orient ist normal -
in unseren Breiten ist die Grenze der Höflichkeit
bereits nach zwanzig Minuten weit überschritten.

Aber auch bei uns sind die Maßstäbe von Pünktlichkeit
recht unterschiedlich.
Jeder Mensch hat also seine ganz persönliche Zeitwelt,
in der die Bewertung der Vergangenheit, der Gegenwart
und der Zukunft sehr individuell sein Denken
und Handeln bestimmt: Die Art, wie der Mensch
die Zeit betrachtet, ist Schlüssel zu seiner Persönlichkeit.

Schon Augustinus schrieb vor 1500 Jahren:
"Wir leben in der Gegenwart.
Aber die Gegenwart hat drei Dimensionen:
die Gegenwart des Vergangenen,
die Gegenwart des Gegenwärtigen
und die Gegenwart des Zukünftigen."
Dem kann man auch noch so langer Zeit
nichts mehr hinzufügen.
Diese drei Dimensionen sind auch heute noch
der Schlüssel zur persönlichen Zeitorientierung:
Bei manchen Menschen spielt die Vergangenheit
eine dominierende Rolle, bei anderen die Gegenwart
und bei wieder anderen die Zukunft.
Die unterschiedliche Zeit-Bezogenheit
prägt dem Denken und Handeln
charakteristische Merkmale auf und wird so
zum Teil der individuellen Persönlichkeits-Struktur.